Guntramsdorf, 1. Oktober 2000, ein herbstlicher Sonntagvormittag, beim Froschbrunnen ist Weintaufe angesagt.

Am Platz vor der Apotheke - er wurde kurzer Hand zum Freiluftheurigen umfunktioniert - hat sich ein bunt gemischtes Publikum eingefunden. Vertreter des heimischen Weinbaues, Funktionäre aus Politik und Wirtschaft, einfache Gäste. Sie alle, mit Gaumen und Seele Förderer des Guntramsdorfer Wein verarbeitenden Gewerbes, beweisen beim Verkosten der dargebotenen Kreszenzen fundierte Erfahrung auf dem Gebiete der lokalen Önologie.

Man lobt den heurigen Wein und das heurige Wetter insgesamt. So früh wie diesmal soll zuletzt im 45er Jahr gelesen worden sein. Und das aber nicht, wie manche Zeitzeugen meinen, um den russischen Besatzern bloß das Nachlesen zu überlassen, sondern weil die Trauben damals eben auch so früh gereift und "zeitich" waren.

Vom Anninger quillt feuchtgrau die Wolkentuchent herunter, der Himmel über den Weingärten löst sie in ihre Federn auf. Im Ort scheint die Sonne. Der Pfarrer weiht den Wein, der Musikant spielt auf. "Es wiad a wei sei.." Ein Prost auf den Heurigen !